Bryn Mawr Classical Review

Bryn Mawr Classical Review 2006.04.13

Olivier Callot, Salamine de Chypre XVI: Les Monnaies. Fouilles de la ville 1964-1974. Mission Archéologique de Salamine de Chypre.   Paris:  De Boccard, 2004.  Pp. 219.  ISBN 2-903264-95-3.  €45.00.  



Reviewed by Jörg Starck, Johann Wolfgang Goethe-Universität/Frankfurt a. Main (starck@stud.uni-frankfurt.de)
Word count: 1625 words

Die Veröffentlichung der Fundmünzen von Salamis-Constantia auf Zypern bildet den sechzehnten Band der Grabungspublikationen zu den dortigen archäologischen Unternehmungen durch die Universität Lyon der Jahre 1964 bis zum türkischen Einmarsch 1974. Die französische Mission untersuchte zehn verschiedene Bereiche des Stadtgebiets, während Theater, Stadion, Gymnasium und Amphitheater vom zypriotischen Antikendienst ergraben wurden. Auch die Grabungen im Bereich der Nekropole westlich der Stadt, der sogenannten "Königlichen Nekropole", wurden unter zypriotischer Leitung durchgeführt. Die von dort stammenden Münzen waren bereits im Rahmen der Veröffentlichung der Grabungsergebnisse von B. Helly 1973 vorgelegt worden.1 Die nun erschienene Arbeit von O. Callot umfaßt insgesamt 1.813 Münzen, die bei den französischen Grabungen gefunden wurden.

Entsprechend der Besiedlungsdauer der Stadt, die im 4. Jh. n. Chr. in Constantia umbenannt wurde, reicht das Spektrum der Fundmünzen von der Zeit der Gründung der Stadt im 4. Jh. v. Chr. bis zu deren Aufgabe in byzantinischer Zeit (8. Jh.), abgesehen von einem kleinen Schatzfund, der aus der Zeit des ersten Kreuzzugs stammen dürfte.

Das übersichtlich strukturierte Werk von Callot teilt sich auf in einen nach Epochen untergliederten Katalog (S. 13-126), einen ausführlichen Kommentarteil (S. 127-152) und einen umfangreichen Anhang. Die einleitenden Bemerkungen des Autors erläutern Aufbau und Inhalt der Arbeit und geben eine erste Übersicht über die ergrabenen Bereiche, die Fundsituation und die Erhaltungsbedingungen der Münzen. Letzteres ist für die Interpretation des numismatischen Materiales von großer Bedeutung. Der Erwartung, dass in dieser Edition ein repräsentativer Querschnitt durch das numismatische Fundspektrum einer fast 1200 Jahre durchgehend besiedelten antiken Stadt vorgelegt wird, kann nicht entsprochen werden: Von der Gesamtmenge der Münzen sind 810 Stück als byzantinisch bestimmbar. Die Zahlen für die Münzen der griechischen (87 Stück), römischen (172 Stück), der omayyadischen Zeit (24 Stück) und aus der Periode der lateinisch-christlichen Herrschaft (18 Stück) liegen deutlich darunter. Hinzu kommt, dass die Anzahl der unbestimmbaren Gepräge mit 703 Stücken sehr hoch ist, was zumeist sicherlich auf den hohen Salzgehalt des Bodens durch die meernahe Lage des Ortes zurückzuführen ist. Auch die bestimmbaren Stücke sind demzufolge oft in sehr schlechtem Zustand und waren nur mit großer Erfahrung in der Münzbestimmung zu identifizieren gewesen. Der profunden Sachkenntnis des Bearbeiters ist es daher zu verdanken, dass die unbestimmbaren Münzen dennoch zum Großteil (553 Stück) zumindest den verschiedenen historischen Perioden zugewiesen werden konnten. Der Anteil der historischen Epochen ist hier allerdings anders verteilt: Mit 264 Stück bilden die römischen Münzen die größte Gruppe, gefolgt von den byzantinischen mit 213 Exemplaren. Der klassischen und hellenistischen Zeit sind noch 75 Stück zuzuweisen, während alle späteren Epochen fehlen, was bei deren ohnehin geringem Vorkommen nicht weiter verwundert. So bleiben als völlig unbestimmbare (oder verschollene) Stücke nur 150 Münzen übrig.

Die auffällige Häufung byzantinischer Gepräge erklärt sich dadurch, dass bei den archäologischen Untersuchungen insbesondere Schichten aus byzantinischer Zeit ergraben wurden, da die früheren Phasen fundarm oder gestört waren bzw. gänzlich fehlten. Weitere Grabungen würden das Fundspektrum sicherlich deutlich zugunsten der früheren Perioden erweitern, wie Callot vermutet (S. 10).

Der Katalogteil, der nur die genau zuweisbaren Stücke umfaßt, ist nach den historischen Epochen gegliedert, die jeweils nach Regenten und Prägestätten unterteilt sind. Lediglich grob einer Periode zuweisbare Stücke werden als Gruppe am Ende des jeweiligen chronologischen Abschnittes zusammengefaßt. Der Beschreibung des Münztyps nach Vorder- und Rückseitendarstellung schließt sich die Angabe des Nominals und des Bestimmungswerks sowie der Typ-Nummer an. Unter den Katalognummern finden sich neben der Inventarnummer, dem Fundjahr und der Herkunft der Münze aus dem jeweiligen Grabungsbereich stets die Angabe des Metalls, des Durchmessers und des Gewichts. Die gelegentliche Beschreibung des Zustandes, möglicher Besonderheiten des Stücks oder von Unsicherheiten bei der Zuweisung schließen sich an, mitunter ergänzt durch Hinweise auf Literatur. Informationen zum Forschungsstand, weiterführende Bemerkungen allgemeiner Art zu den jeweiligen Typen oder Nominalen, zur Prägetätigkeit des betreffenden Herrschers oder der einzelnen Ateliers finden sich in der Regel im Anschluß an die Auflistung der Münzen. Zu einem Schatzfund gehörige Stücke sind als solche durch eine besondere Nummerierung gekennzeichnet und einem der insgesamt vier Schätze zugeordnet. Gelegentlich reichen die Kommentare zu den Münzen über mehrere Spalten des hochformatigen Werkes hinaus und bieten insbesondere bei den am häufigsten vorkommenden byzantinischen Münzen nicht nur eine Einführung in den jeweiligen Forschungsstand und die numismatischen Fragestellungen, sondern verbinden diese auch mit Schilderungen der historischen oder geldgeschichtlichen Ereignisse.

Den Abschluß des Katalogteiles bildet die Gruppe derjenigen Münzen, die aufgrund ihres Erhaltungszustandes nur noch grob einer historischen Periode zuweisbar sind.

Den zweiten Teil der Publikation bildet der Kommentar, der in einen chronologischen und einen topographischen, nach dem jeweiligem Befund eingeteilten Abschnitt untergliedert ist. Während numismatische Detailfragen im Katalog bei den betreffenden Stücken eruiert worden sind, geht es dem Autor hier um die Aussagemöglichkeiten des Gesamtmaterials. Gewissenhaft führt er bei seinen Vergleichen stets die Unterscheidung in lesbare und unlesbare Münzen auf und weiß die Verzerrung des Münzspektrums durch die Grabungsgeschichte bei seinen vorsichtigen Interpretationen in Rechnung zu stellen. Betrachtet man etwa die Münzen der Zeit vor der Eroberung durch Alexander den Großen, so wird klar, daß bei sieben Stück angesichts der Bedeutung der Insel in der Zeit der Klassik, diese Periode stark unterrepräsentiert ist, da von ihr fast keine Schichten ergraben wurden.

Als Vergleich kann dem Verfasser dabei die Publikation der Münzen von Kourion dienen, deren Gesamtzahl bei 2.465 Stück liegt, unter denen die römische Zeit mit fast 70% deutlich dominiert.2 Machen diese Münzen im Spektrum der vorliegenden Arbeit nur etwa 26% der Gesamtmenge aus, so zeigt der Vergleich der beiden Fundorte doch gleiche proportionale Anteile der Reichs- und Provinzialprägungen: Es dominieren bis zum Ende der Severerzeit die Münzen aus Prägestätten der Provinzen, während im dritten Jahrhundert fast ausschließlich die Reichsprägung den Münzumlauf bestimmt. Erst nach der diokletianischen Reform machen wieder Münzen aus östlichen Münzstätten, dabei vor allem aus Zypern selbst, den Großteil der Gepräge aus. Für alle Perioden läßt sich sagen, daß Silbermünzen nur sehr vereinzelt vorkommen, sieht man einmal von den Schatzfunden ab, in denen sie fast ausschließlich vertreten sind; Beobachtungen, die sich wahrscheinlich für jeden beliebigen östlichen Fundort verallgemeinern ließen.

Die byzantinischen Münzen bilden unter den Fundmünzen nicht nur den größten Anteil, sondern erfahren auch die meiste Aufmerksamkeit des Verfassers, was durch die hohe Anzahl an Münzen, die damit verbundene Aussagekraft, die Fülle an Detailbeobachtungen, aber auch durch deren Auffindung in den gut untersuchten byzantinischen Befunden gerechtfertigt ist.

Der Großteil der byzantinischen Münzen (308 Stück) stammt aus der von schweren Bedrohungen und Umwälzungen geprägten Regierungszeit des Heraclius (610-641), als Zypern bedeutender Stützpunkt und Zufluchtsraum in den Auseinandersetzungen mit den Persern und später mit den Arabern wurde. Die arabischen Überfälle und die zeitweilige Eroberung zwischen 647 und 680, sowie die daran anschließenden, wechselhaften Herrschaften finden im Münzspektrum nur geringen Niederschlag, so daß für die gesamte Zeit, aus der noch Fundmünzen vorliegen, von einem Versiegen der auf Münzgeld basierenden Wirtschaftsweise auszugehen ist. Während in Kourion Münzen aus der Zeit vom 11.-15. Jh. gefunden wurden, liegen aus Salamis-Constantia als letzte numismatische Zeugnisse nur die aus einem Schatzfund stammenden Denare französischer Herkunft vor, deren Verbergedatum wohl in die Zeit des ersten Kreuzzugs, um 1100, fällt.

Der zweite, topographische Teil des Kommentars stellt die Münzfunde untergliedert nach den zehn Bereichen vor, die von der französischen Mission ergraben wurden. Hierzu gehören der Tempel des Zeus (359 Münzen), der Bereich eines archaisches Grabes und eine Sondagegrabung im Umfeld des Zeus-Tempels (34, bzw. 96 Münzen), ein byzantinisches Gebäude des 5. Jhs. ("L'Huilerie", benannt nach einer späteren Ölpresse), ferner verschiedene Grabungsbereiche im Südosten der Basilika, wie ein archaisches Heiligtum (64 Münzen), eine Sondage (21 Münzen) und ein Abschnitt der südlichen Stadtmauer (81 Münzen). Der Großteil der Münzen stammt hingegen aus der ebenfalls im Südosten der Stadt gelegenen Basilika ("La Basilique de la Campanopetra", 939 Münzen). Da hier die Grabungen am weitesten fortgeschritten waren, als 1974 die Arbeiten eingestellt werden mußten, ist die Basilika auch das archäologisch am besten dokumentierte Gebäude, zu dem seit 1998 auch eine Publikation von G. Roux vorliegt. 3

Den Anhang der Publikation bilden ein Glossar von "Aes" bis "Trichalque", in dem vor allem die im Werk vorkommenden numismatischen Fachbegriffe erläutert werden, zwei Konkordanzen, eine umfangreiche Bibliographie der im Werk genannten Arbeiten und der Tafelteil. Die beiden Konkordanzen erschließen dem Fachbenutzer zum einen die Inventarnummern der im Katalog aufgeführten Münzen im Grabungsinventar, zum anderen eine Zusammenstellung der Münzen nach archäologischem Befund. Als sehr nützlich erweisen sich die Zeichnungen der mitunter mehrfach gegengestempelten und überprägten Münzen, die die Deutungen des Bearbeiters nachvollziehbar machen. Insbesondere hier zeigt sich die große Sachkenntnis und geübte Beobachtungsgabe des Autors. Leider sind die handschriftlichen Erläuterungen teilweise nur schwer zu entziffern. Dies mag drucktechnische Ursachen haben, da ohnehin die Buchstaben leider nur sehr dünn und schwach konturiert erscheinen. Auch die Qualität der Fotographien ist leider nur mittelmäßig, was allerdings eher an der Ausleuchtung der Münzen liegen dürfte und an deren zumeist sehr schlechtem Erhaltungszustand. Daß sich die Herausgeber dennoch dazu entschlossen haben, Abbildungen von über 670 Stücken in den Tafelteil aufzunehmen, ist für die Dokumentation sehr begrüßenswert.

Die Publikation der Fundmünzen von Salamis sah sich mit Ausgangsbedingungen konfrontiert, die die Aussagekraft des nun veröffentlichten numismatischen Materials einschränken. So ist ein Vergleich mit anderen Orten nur bedingt möglich, da das Münzspektrum aufgrund der Grabungsgeschichte ein starkes Übergewicht zugunsten der byzantinischen Münzen aufweist und kaum Schlüsse auf die Situation früherer Epochen zuläßt. Dennoch ist es dem Autor gelungen, aus den schwierigen Bedingungen, die nicht zuletzt der Erhaltungszustand der Münzen verursachte, eine Fundmünzpublikation lege artis vorzulegen. Nicht nur die akribische Edition und Kommentierung des Materials, sondern auch die Stellungnahmen des Autors zu Detailfragen und die nach Epochen und Grabungsbereichen gegliederten Auswertungen zeigen, daß Publikationen von Fundmünzen mehr sein können als reine Materialvorlagen und auch Nicht-Numismatikern verständlich und interessant vermittelt werden können. Darüber hinaus bleibt das große Verdienst, durch die Veröffentlichung überhaupt erst die Fundmünzen zur weiteren Auswertung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben; ein Verdienst, das immer noch zuviele Grabungen nicht vorweisen können und das daher leider nicht selbstverständlich ist.


Notes:


1.   B. Helly, Les Monnaies, in V. Karageorghis, Excavations in the Necropolis of Salamis, III Nicosia 1973, S. 204-213.
2.   D.H. Cox, Coins from the excavations at Curium 1932-1953 (Numismatic Notes and Monographs) 145. New York 1959.
3.   G. Roux, Salamine de Chypre XV: La Basilique de la Campanopétra, Paris 1998.

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