BMCR 2020.05.16

Einführung in die Alte Welt

, , Einführung in die Alte Welt. . Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2019. 419 p.. ISBN9783515101905 €39,00.

Inhaltsverzeichnis

Bei diesem Werk handelt es sich um die aktualisierte, zweite deutsche Ausgabe (Erstausgabe 1994) eines Einführungswerks, dessen Ursprung (Niederländisch) bereits am Anfang der 1980er Jahre liegt. Es bietet eine allgemeine, umfassende Einführung in die Altertumskunde. Besprochen wird der Zeitraum zwischen ca. 10000 v. Chr. und 626 n. Chr., wobei sich der Fokus auf den Abschnitt zwischen ca. 3000 v. Chr. bis 500 n. Chr. richtet. Van der Spek war hierbei für die Endredaktion der Kapitel 1 bis 11 (Der Vordere Orient sowie Griechenland) verantwortlich, de Blois für Kapitel 12 bis 16 (Das Alte Rom) sowie für die Appendices.

Laut Vorwort (S. 11-13) wurden etliche Experten verschiedener Fachdisziplinen zur Verbesserung der jeweiligen Kapitel zu Rate gezogen, um somit eine hohe Qualität dieses Werkes zu gewährleisten. Dazu konnte man anscheinend auch noch auf Kritiken der englischsprachigen Ausgabe (Blackwell) von 2019 eingehen und somit, laut Vorwort der Verfasser (S. 12), noch weitere Verbesserungsvorschläge einbringen. Auch daher entspricht der Inhalt dieses Einführungswerks dem aktuellen Stand der Forschung.

Angefangen mit Der Vordere Orient (Ägypten und Mesopotamien), über die Klassische Antike (Griechenland und Das Alte Rom), sowie deren Nachbarkulturen, mit einer ausführlichen Darstellung (S. 173-206) über Kapitel 11: Das Zeitalter des Hellenismus (ca. 338-30 v. Chr.), inklusive kurzem Verweis auf die Parther (S. 204-205) bis hin zu den Sassaniden (S.344-346), endet die genauere Darstellung etwa um 500 n. Chr. Abgerundet werden die beiden seitenmäßig größten Abschnitte Griechenland (S. 95-206) und Das Alte Rom (S. 207-388) jeweils mit einem Epilog (S. 206 bzw. S. 385-388), worin innerhalb von einer bzw. vier Seiten auch noch kurz auf spätere Zeiten eingegangen wird.

Das Ganze wird visuell veranschaulicht durch 92 Abbildungen, die dem Format entsprechend durchwegs in einer brauchbaren Qualität dargeboten werden. Des Weiteren komplettieren den Band 33 Karten (Rot-/Grautöne) und 5 Schemata sowie 16 Übersichtstabellen.

Die Autoren verzichteten auf eine ausführliche Bibliographie zu Gunsten der Einführung von Überblicken in Listenform, die sich über das ganze Werk verteilt finden. Hier haben sich die Realitäten im Digitalzeitalter eindeutig verlagert und der interessierte Leser wird sich ohne Probleme online weiterhelfen können. Jedoch werden in einem kurzen Abschnitt Weiterführende Literatur(S. 395-398) unter dem Titel Websites, Biographien, Enzyklopädien, Allgemein, Der alte Vordere Orient, Die Griechen, Der Hellenismus, Rom bibliographische Sammlungen sowie allgemeine Überblicke angeführt. Dies wäre alles in allem zu begrüßen, wenn sich diese Tatsache nicht direkt auf die in diesem Werk fehlende Zitation auswirken würde.

Dass dieser Band aktualisiert wurde, ist unter anderem daran ersichtlich, dass auch der Einfluss von Klimaveränderungen bei der Argumentation berücksichtigt wurde (S. 34):

„Manche Forscher vertreten die Ansicht, dass auch klimatische Veränderungen maßgeblichen Einfluss auf die Veränderungen hatten, das die zunehmende Trockenheit die Steppennomaden dazu brackte, Druck auf die Flusstäler auszuüben. Dies bedeutet, dass die Krisen in Ägypten und Mesopotamien gegen Ende des 3. Jahrtausends möglicherweise von demselben klimatischen Phänomen ausgelöst wurden.“

Ebenso behandelt der Abschnitt über Internationale Beziehungen (S. 49-50) in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends v. Chr. einen innerhalb der letzten Jahrzehnte wesentlich vorangetriebenen Forschungszweig. So befassten sich etliche Monographien und Konferenzen lediglich mit diesem Phänomen, das heute durch eine Kombination von Amarna-Korrespondenz, hethitischer Verträge sowie weiterer Keilschriftdokumente differenzierter betrachtet werden kann als noch vor wenigen Jahrzehnten.[1]

Trotz der ansonsten tadellosen Ausführung dieses gut edierten Bandes soll an dieser Stelle noch auf einige, jedoch als nicht gravierend einzustufende Mängel aufmerksam gemacht werden. Manchmal fragt man sich, ob nicht ein streng chronologischer Aufbau der Paragraphen sinnvoller gewesen wäre. So wird zum Beispiel im selben Abschnitt (S. 29) die Dreiteilung der Bronzezeit erklärt und gleich darauf, dass der Übergang zwischen „Steinzeit“ und „Bronzezeit“ Chalkolithikum oder Kupferzeit genannt wird. Wiederum darauf folgt, dass nach der Bronzezeit die Eisenzeit folgt. Die Wahl des Stadtnamens „Babylon“ statt Babylonien in Bezug auf dort verbliebene Juden nach dem Ende des Exils verwundert. Wenn auch diese beiden Begriffe innerhalb der Bibel synonym verwendet werden, sollte in einer Einführung doch letzterer den Vorzug erhalten.

Zuletzt seien hier auch noch einige im Band verbliebene Mängel erwähnt. Aus editorischer Sicht fällt lediglich auf, dass zwar Palmyra sowie „Odaenatus“ im Text vorkommen (S. 346), diese jedoch im Index fehlen (Register S. 403-419). Unverständlich bleibt hierbei auch, warum die Autoren auf die Erwähnung von Zenobia zur Gänze verzichten. Durch die großen in so einem Werk zu verarbeiteten Datenmengen scheint dies zwar entschuldbar, jedoch ließ man hier eine Chance aus, auf einen Aspekt von Herrscherinnen im Alten Orient einzugehen, deren Kompetenzen viele Leser heute wahrscheinlich überraschen würde. Dies würde gut in das Gesamtkonzept passen, jeweils in eigenen Abschnitten auf die Rolle von Frauen in der Gesellschaft einzugehen (siehe zum Beispiel S.152-53 Frauen in Athen und Sparta sowie S. 328-29 Frauen in der römischen Gesellschaft).

Alles in allem bietet dieses Buch einen konzisen Überblick über wesentliche Bereiche des Altertums und wird nicht nur für Studierende eine zu begrüßende, mit einem Preis von 39 € erschwingliche Bereicherung der Handbibliothek darstellen. Vor allem die darin angebotenen Vergleiche zwischen den verschiedenen Kulturen könnten für fortgeschrittene Studenten wie auch bereits Graduierte ein Anreiz zum Kauf sein. Für Fachspezialisten erweist es sich hingegen als Nachteil, dass durch fehlende Zitation die verwendeten Quellen nicht immer nachvollziehbar sind, gerade dann, wenn es um Nachbardisziplinen geht. Ein weiterer Verkaufsmarkt dürfte sich auch im Bereich von geschichtsinteressierten Laien finden, wobei gerade hier auch die Übersichten von Vorteil sein werden.

Fußnoten

[1] So zum Beispiel zuletzt die Turiner Konferenz 2014 über kulturelle und materielle Kontakte im Alten Orient, publiziert in: E. Foietta, C. Ferrandi, E. Quirico, F. Giusto, M. Mortarini, J. Bruno and L. Somma (eds.), Cultural & Material Contacts in the Ancient Near East. Proceedings of the International Workshop 1–2 December 2014, Torino. Sesto Fiorentino 2016. Siehe auch Cohen, R. and Westbrook, R., Amarna Diplomacy: The Beginnings of International Relations, Baltimore, MD and London, 2000; Collins, P., From Egypt to Babylon: The International Age 1550-500 BC, London, 2008; Podany, A. H., Brotherhood of Kings: How International Relations Shaped the Ancient Near East, Oxford 2010.